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10.07.26

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Vom Reststoff zum Rohstoff: Olivenkerne für Möbel, Böden und Asphalt

Olivenkerne galten lange als bloßer Rest der Ölgewinnung, der bestenfalls verheizt wurde. Das ändert sich gerade grundlegend: Die zerkleinerten Kerne – im Fachjargon „Steine“ – entwickeln sich zu einem gefragten Rohstoff für nachhaltige Möbel, Innenverkleidungen, Bauprodukte und sogar CO2-arme Pflasterungen. Aus einem Nebenprodukt der Olivenölproduktion wird ein eigener Wertstoff mit wachsender Lieferkette.

Oliven – Ausgangspunkt für Öl und wertvolle Nebenprodukte. Foto: Dina Said, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Oliven – Ausgangspunkt für Öl und wertvolle Nebenprodukte. Foto: Dina Said, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste in Kürze

  • Jährlich fallen rund 1,2 Millionen Tonnen zerkleinerte Olivenkerne an.
  • Traditionell dienen sie als Biomasse-Brennstoff; etwa ein Drittel wird aufbereitet und höherwertig verkauft.
  • Neue Anwendungen: Möbel, Wand- und Bodenplatten, Bauprodukte und Asphalt.
  • Vorreiter sind u. a. Olivos de las Ánimas (Spanien) und Pit-to-Table (Zypern).
  • Das Ziel: eine echte Kreislaufwirtschaft rund um die Olive.

1,2 Millionen Tonnen Nebenprodukt pro Jahr

Schätzungsweise 1,2 Millionen Tonnen zerkleinerte Olivenkerne fallen jedes Jahr bei der Olivenölgewinnung an. Nach Angaben des spanischen Biomasseverbands Avebiom trennen viele der größten spanischen Mühlen die Kerne vom übrigen Trester. Ein Teil wird direkt verfeuert, um die Mühlen zu beheizen und Warmwasser zu erzeugen, oder als Brennstoff für Industriekessel verkauft. Etwa ein Drittel wird gereinigt und getrocknet, um den Feuchtigkeitsgehalt zu senken – als aufbereiteter, erneuerbarer Brennstoff erzielt es einen deutlich höheren Preis als unbehandelte Kerne.

Vom Hain ins Möbelstück: Spanien

Über die reine Energiegewinnung hinaus entstehen inzwischen ganz neue Produkte. Der spanische Betrieb Olivos de las Ánimas fertigt Platten aus harzgebundenen Olivenkernen und gestaltet damit sogar einen eigenen Boutique-Bereich in seinen Olivenhainen, dessen Wände und Böden aus diesem Material bestehen. Besucher sollen den Werkstoff dort unmittelbar erleben. „Es war eine sehr bereichernde Erfahrung, denn Verbraucher schätzen es, wenn landwirtschaftliche Nebenprodukte in neue Produkte verwandelt werden“, so das Unternehmen. „Sie wissen es zu schätzen, dass wir unsere Abfälle verwerten und uns für eine Kreislaufwirtschaft einsetzen.“

Design aus Zypern: Pit-to-Table

Fast 12.000 Kilometer entfernt kombiniert das zyprische Designbüro Pit-to-Table Olivenkerne mit einem Bindemittel zu dekorativen und funktionalen Platten. Mitbegründer Mustafa Afşaroğlu – aufgewachsen nahe den Mühlen Nordzyperns, später als Innenarchitekt in London tätig – kam während der Corona-Pandemie auf die Idee, den Olivenmahlprozess neu zu denken. Hauptkunden sind heute Möbelhersteller und Innenarchitekten, die Wert auf nachhaltige Materialien legen. Das Material findet sich in Laptop-Tischen, Couch- und Esstischen, Regalen sowie in horizontalen und vertikalen Flächen; ein Designer nutzte die Platten etwa für die Rezeption einer Londoner Anwaltskanzlei.

„Wir arbeiten bereits mit mehreren Herstellern im Vereinigten Königreich und in ganz Europa zusammen und bauen dieses Netzwerk weiter aus“, sagt Afşaroğlu. Künftig will er gemeinsam mit Ingenieuren lokaler Universitäten – ähnlich wie Olivos de las Ánimas – das Potenzial für Bodenbeläge und Verkleidungen ausloten.

Kreislaufwirtschaft im Olivenhain

Für die Branche ist diese Entwicklung ein wichtiger Schritt zu einer echten Kreislaufwirtschaft: Aus der Olive wird nicht nur das wertvolle Öl gewonnen, sondern nahezu jeder Bestandteil sinnvoll weitergenutzt. Das bedeutet weniger Abfall, geringere Entsorgungskosten und einen kleineren ökologischen Fußabdruck. Davon profitieren am Ende auch die Konsumenten, denen an nachhaltig und ressourcenschonend erzeugtem Olivenöl gelegen ist.

Häufige Fragen

Wofür werden Olivenkerne verwendet?
Klassisch als Biomasse-Brennstoff, zunehmend aber auch als Rohstoff für Möbelplatten, Innenverkleidungen, Bauprodukte und CO2-arme Asphaltmischungen.

Was bedeutet Kreislaufwirtschaft beim Olivenöl?
Dass möglichst alle Bestandteile der Olive genutzt werden – vom Öl über die Blätter (Dünger) bis zu den Kernen (Energie oder Werkstoff) – und kaum Abfall entsteht.

Quelle: Olive Oil Times

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